Praxis
Praxisbeiträge
Der erste Beitrag in diesem Bereich zeigt, wie man gemeinsam mit einem Kind eine kurze Knetanimation mit dem Handy dreht. Wir beschreiben den allgemeinen Ablauf einer Stop-Motion-Aufnahme, der mit jedem Handy und jeder App funktioniert: eine kurze Geschichte ausdenken, die Figuren kneten, die Kamera fixieren, Bild für Bild mit kleinen Verschiebungen fotografieren und die Fotos zu einem Clip zusammenfügen. Konkrete Apps und Marken nennen wir nicht – jede App mit Stop-Motion-Funktion eignet sich, ebenso die normale Kamera plus Videoschnittprogramm.
Ein guter erster Trickfilm dauert ein paar Sekunden. Das Wichtigste daran ist nicht die Handlung, sondern der Moment, in dem die Figur zum ersten Mal von selbst über den Tisch läuft.
Bevor Sie anfangen
- Ein freier Abend oder ein halber Wochenendtag – Eile sieht man bei Stop-Motion auf dem Bildschirm
- Knete in mehreren Farben, Modellierhölzer oder Zahnstocher, eine Knetunterlage
- Ein Handy mit Kamera und eine Stop-Motion-App oder ein Videoschnittprogramm
- Eine Halterung oder ein selbst gebautes Stativ: ein Bücherstapel, eine Schachtel, eine Klammer
- Ein Tisch an der Wand, eine Lampe und dichte Vorhänge, damit sich das Licht nicht ändert
- Ein Bogen Karton oder Zeichenpapier für Hintergrund und Boden der Kulisse
Denken Sie sich eine sehr kurze Geschichte aus
Für das erste Mal reicht ein einziges Ereignis: Die Figur taucht auf, tut etwas und geht wieder. Zeichnen Sie ein Storyboard – drei bis fünf Kästchen mit einer Skizze der Szene. So wissen Sie vorher, was Sie filmen und wie viele Figuren Sie brauchen.
Fiktives Beispiel: „Eine Schnecke kriecht zu einem Apfel, beißt ein Stück ab und kriecht davon.“ Drei Storyboard-Bilder: Schnecke links, Schnecke am Apfel, Apfel mit Bissspur.
Kneten Sie Figuren und Kulisse
Bauen Sie standfeste Figuren: breite Basis, kurze Beine, dicke Teile. Dünne Arme und Schwänze verbiegen sich schnell und stören. Kleben Sie den Hintergrund mit Klebeband an die Wand und den Boden der Kulisse an den Tisch, damit sich zwischen den Aufnahmen nichts verschiebt.
Fiktives Beispiel: Ein großes, schlankes Knetmännchen fällt alle fünf Bilder um, während eine gedrungene Schnecke oder eine Kugelfigur die ganze Zeit ruhig stehen bleibt.
Licht setzen und Fenster abdunkeln
Tageslicht vom Fenster ändert sich alle paar Minuten, und im fertigen Clip flackern dann die Bilder. Ziehen Sie die Vorhänge zu und arbeiten Sie mit ein oder zwei Lampen. Stellen Sie sich nicht zwischen Lampe und Kulisse, damit kein Schatten ins Bild fällt.
Fiktives Beispiel: Mitten im Dreh schiebt sich eine Wolke vor die Sonne, und der Clip ist zur Hälfte hell und zur Hälfte dunkel. Mit einer Lampe passiert das nicht.
Das Handy unbeweglich fixieren
Die Kamera darf sich überhaupt nicht bewegen. Legen Sie das Handy auf einen Bücherstapel, beschweren Sie es oder kleben Sie es fest. Wenn die App es erlaubt, fixieren Sie Fokus und Belichtung und lösen Sie per Selbstauslöser oder Kopfhörertaste aus statt durch Tippen auf den Bildschirm.
Fiktives Beispiel: Jedes Tippen auf den Bildschirm verschiebt das Handy ein wenig, und im Clip „wackelt“ die ganze Welt. Ein Selbstauslöser mit zwei Sekunden löst das Problem.
Bild für Bild mit kleiner Verschiebung fotografieren
Das ist Stop-Motion: Sie verschieben die Figur ein wenig, machen ein Foto, verschieben wieder und fotografieren erneut. Werden die Fotos schnell hintereinander gezeigt, entsteht die Illusion von Bewegung. Je kleiner der Schritt, desto flüssiger die Bewegung – aber desto mehr Fotos brauchen Sie.
Fiktives Beispiel: Die Schnecke kriecht eine Handbreit über den Tisch. Verschiebt man sie pro Bild um eine Fingernagelbreite, wirkt es flüssig; um eine Fingerbreite – ruckartig.
Das Aufgenommene zwischendurch prüfen
Sehen Sie sich alle zehn bis zwanzig Fotos das bisherige Stück an. So merken Sie rechtzeitig, dass eine Figur umgefallen ist, eine Hand ins Bild geraten ist oder sich der Hintergrund verschoben hat, und drehen nur die letzten Bilder neu statt der ganzen Szene.
Fiktives Beispiel: Beim Ansehen fällt auf, dass in drei Bildern hintereinander ein Finger zu sehen ist. Löschen Sie diese Fotos und nehmen Sie sie von derselben Stelle aus neu auf.
Den Clip zusammenfügen
In einer Stop-Motion-App entsteht der Clip automatisch, im Videoschnittprogramm aus Fotos, die mit gleicher kurzer Dauer hintereinandergelegt werden. Probieren Sie verschiedene Abspielgeschwindigkeiten aus und wählen Sie die, bei der die Bewegung natürlich wirkt.
Fiktives Beispiel: Langsam abgespielt kriecht die Schnecke ruckartig, zu schnell ist sie im Nu vorbei. Eine mittlere Geschwindigkeit sieht meist am besten aus.
Ton und Abspann hinzufügen
Sprechen Sie die Figuren mit eigenen Stimmen, nehmen Sie Geräusche und selbst gespielte Musik auf und fügen Sie einen Abspann mit Titel und den Namen aller Beteiligten hinzu. Fremde Musik und Filmausschnitte verwendet man besser nicht, vor allem wenn der Clip ins Netz gestellt wird.
Fiktives Beispiel: Das Knacken des Apfels lässt sich aufnehmen, indem man neben dem Handy in einen echten Apfel beißt – das ist lustiger als jedes fertige Geräusch.
Typische Fehler
- Am Fenster bei wechselndem Tageslicht drehen
- Das Handy in der Hand halten oder bei jedem Foto auf den Bildschirm tippen
- Große, dünne Figuren kneten, die umfallen und sich verbiegen
- Die Figur zu weit verschieben – die Bewegung wird ruckartig
- Beim ersten Mal eine lange Geschichte planen und mittendrin aufgeben
- Fremde Musik und Filmausschnitte ohne Erlaubnis verwenden
Alternativen
- Wenn keine Knete da ist, drehen Sie einen Legetrick: Schneiden Sie Figuren aus Papier aus und bewegen Sie sie flach auf dem Tisch über den Hintergrund
- Bei kleinen Kindern animieren Sie Spielzeug, Bauklötze oder Obst – sie müssen keine Form halten, sondern sich nur bewegen
- Wer lieber zeichnet, macht ein Daumenkino: ein kleiner Block, auf jeder Seite ein Bild, das sich leicht vom vorherigen unterscheidet
Checkliste zum Ergebnis
- Die Geschichte passt in drei bis fünf Storyboard-Bilder
- Die Figuren stehen stabil, die Kulisse ist befestigt
- Das Licht ist künstlich und ändert sich während des Drehs nicht
- Das Handy ist fixiert, ausgelöst wird per Selbstauslöser
- Die Verschiebungen sind klein und ungefähr gleich groß
- Das Material ist geprüft, überflüssige Bilder sind gelöscht
- Die Abspielgeschwindigkeit passt, die Bewegung wirkt natürlich
- Ton und Abspann sind selbst gemacht, alle Beteiligten sind genannt
Katalog der Beiträge für deutschsprachige Leserinnen und Leser
In diesem Bereich erscheinen eigene Beiträge für Leserinnen und Leser in Deutschland, Österreich, der Schweiz und anderen deutschsprachigen Regionen: über Animationstechniken, Trickfilme zu Hause, die Auswahl von Filmen für Kinder und die Geschichte der Animation.
Derzeit enthält der Katalog noch keine eigenen deutschsprachigen Beiträge. Neue Beiträge erscheinen hier in dieser Liste.
Themen, die die Redaktion plant
- Daumenkino und Wundertrommel: Animation ganz ohne Bildschirm
- Scherenschnitt und Silhouettenfilm: Legetrick am Küchentisch
- Alterskennzeichen verstehen: was die Freigaben für Eltern bedeuten
- Hörspiel trifft Trickfilm: den eigenen Film als Familie vertonen
Redaktionelle Grundsätze
- Die Beiträge in diesem Katalog werden für jede Sprachversion eigens verfasst und sind keine Übersetzungen.
- Einige Beiträge verlinken auf Websites Dritter, darunter Gaming-Dienste; auf deren Inhalte, Preise und Bedingungen haben wir keinen Einfluss.
- Wir veröffentlichen keine Links zum Ansehen oder Herunterladen, keine Rankings von Animationsfilmen und keine Erfahrungsberichte.
Verwandte Bereiche
- Fragen
Kurze Antworten zur Animationstechnik, zu Kindern und Zeichentrickfilmen und zum Stop-Motion-Dreh zu Hause.
- Sammlungen
Lesewege: erster Einstieg in die Animation, Trickfilm selbst gemacht, gemeinsam mit dem Kind schauen.
- Glossar
Glossar: Animationstechniken, Bild und Bewegung, Berufe in der Animation.
Quellen
- Enzyklopädische Quellen zur Geschichte der Animation
- ASIFA – Internationale Vereinigung des Animationsfilms (Association Internationale du Film d’Animation)
Die Angaben entsprechen dem Stand am Erstellungsdatum. Regeln zur Alterskennzeichnung, Bedingungen von Plattformen und Funktionen von Apps ändern sich – prüfen Sie aktuelle Angaben in den Primärquellen: im Gesetzestext, auf der jeweiligen Plattform und in der Beschreibung des konkreten Films.